Seit 17 Jahren opfern zwei Freundinnen aus Herlinghausen ihren Urlaub für Tiere in Not. Nun planen sie in Marokko einen Einsatz für 200 Straßenhunde und 60 Arbeitsesel.
Hufpflegerin Silke Müller und Tierärztin Claudia Bretthauer aus Herlinghausen haben ein Ziel: Sie wollen in der ersten Oktoberwoche 200 Straßenhunde in der Stadt Marrakesch medizinisch versorgen und kastrieren sowie 60 Arbeitseseln die Hufe pflegen. Für die Freundinnen nicht der erste Einsatz zur Tiernothilfe in diesem Jahr.
Seit 17 Jahren fließen die Urlaubstage der Freundinnen nicht in Erholung und Sightseeing, sondern in Versorgungsaktionen für Tiere überall auf der Welt. Am 1. Oktober reisen die beiden mit drei Helfern nach Marrakesch. Dort besuchen sie vier Tage lang Helga Heidrich.
Ein Gnadenhof in
der Steinwüste
Die 81-Jährige wanderte vor über 40 Jahren nach Marokko aus. Heute betreibt sie auf einem riesigen Gelände in der Steinwüste Agafay einen Gnadenhof. Dort leben über 400 Hunde, 60 ehemalige Arbeitsesel, 50 Katzen, einige Pferde und ein Dromedar. Unter dem Namen „Fondation Helga Heidrich SOS Animaux“ sorgt die Seniorin für den Schutz, die medizinische Versorgung und Rehabilitation verletzter und verlassener Tiere in Marokko.
„Die Hunde werden ihr teilweise über den Zaun geworfen“, berichtet Claudia Bretthauer. „Die Menschen dort wissen, dass sie sich um die Tiere kümmert.“ Und auch sonst sage die Auswanderin nicht Nein, wenn jemand bei ihr klopfe. In der Region lebten zudem viele Straßenhunde. Einige von ihnen seien aggressiv.
Die Tiere lebten unter schlechten Bedingungen. Beim Geschlechtsverkehr könnten Krankheiten übertragen werden, die Tumore verursachten. „Teilweise können trächtige Hündinnen ihre Welpen nicht zur Welt bringen, weil Tumore den Geburtsweg versperren“, sagt die Tierärztin. Um dieses Leid einzudämmen, kastriert sie so viele Hündinnen und Rüden wie möglich. Wurmkur, Floh- und Zeckenmittel inklusive.
50 Tiere am Tag sind ihr Ziel. Dafür arbeitet sie von Sonnenaufgang bis in die Abenddämmerung. Unterstützt wird sie dabei von deutschen und einheimischen Helfern und eben sehr oft von Silke Müller, die bei der aktuellen Mission jedoch ein anderes Projekt hat: „Viele der Esel haben schwere Verletzungen in ihrem Leben erlitten und verkrüppelte Beine und Hufe. Ich will ihre Hufe machen und pflegen, um ihre Schmerzen zu lindern.“ Viele der verletzten Tiere können während der Hufpflege nicht auf drei Beinen stehen. Deshalb unterstützt ein Helfer diese Esel.
Kastration gegen
großes Leid
Der Kontakt zu Helga Heidrich entstand durch einen Zufall. Silke Müller sah 2018 eine Folge der TV-Sendung „Das perfekte Dinner“ über marokkanisches Kochen. Darin trat die Auswanderin auf und berichtete von ihrem Leben. Daraufhin kontaktierten die Freundinnen aus Warburg die Tierschützerin, die ihren Gnadenhof über Spenden finanziert. Sie lud die Tierärztin und die Hufpflegerin zu sich nach Marokko ein. „Inzwischen ist es unser sechster Besuch in Marrakesch“, sagt Claudia Bretthauer.
Von 2009 bis 2025 war Claudia Bretthauer 27-mal in acht Ländern im Einsatz. Ihre Freundin Silke Müller begleitete sie häufig. 2800 Hündinnen, 1700 Rüden, 1000 Katzen und 700 Kater hat sie in dieser Zeit kastriert. Die Kosten für diese Einsätze, für die Flüge für sich und in früheren Jahren für ihre beiden Söhne, die inzwischen erwachsen sind, hat Bretthauer selbst bezahlt.
Auch ihre Freundin Silke Müller hat die Auslandsaufenthalte aus eigener Tasche finanziert. „Dafür ist oft der gesamte Jahresurlaub draufgegangen“, berichtet Silke Müller. Doch die beiden helfen aus Liebe und mit Herzblut, um die Qual der kleinen und großen Tiere zu lindern.
Und natürlich sind sie dabei auch weit rumgekommen, waren in der Türkei, der Dominikanischen Republik, Grenada, Italien, Rumänien, St. Vincent, Spanien und neben Marokko auch in Kenia. „Dort bin ich mit einem jungen Tierarzt auf dem Motorrad mit Tankrucksack und Wasserflaschen in den Händen von Dorf zu Dorf unterwegs“, erzählt Claudia Bretthauer. Die Operationen werden auf Steinen erledigt. Dabei schauen viele Menschen neugierig zu.
Wichtig ist es der Tierärztin, den Kollegen vor Ort so viel wie möglich beizubringen, damit sie selbst auch schwerere Operationen stemmen können, denn sie ist ja immer nur wenige Tage vor Ort. Im November will sie erneut nach Kenia reisen, im Dezember in die Dominikanische Republik. Der Einsatz im Dezember wäre ihr fünfter in diesem Jahr.
Auswanderin und Tierschützerin Helga Heidrich vermittelt auch Hunde und Katzen nach Deutschland und sucht Pflegestellen.
Wer genauere Informationen über die „Fondation Helga Heidrich SOS Animaux“ haben oder diese unterstützen möchte, kann auf der Homepage über www.fhh-sos-animaux.com oder über die Tierarztpraxis von Claudia Bretthauer in Niedermeiser mit der Organisation Kontakt aufnehmen.
Bericht: Westfalenblatt vom 15.09.2026 (Verena Schäfers-Michels)