Alexander Neumann: Ein Portrait der Neuen Westfälischen vom 19.02.2026

Stellvertretender Bürgermeister in Warburg :

Beruf, Ehrenamt und Politik finden bei Alexander Neumann ein Gleichgewicht. Der Sozialdemokrat priorisiert die Erreichbarkeit für Menschen und nutzt Radfahren, Gartenarbeit und Reisen zum Ausgleich.

Wenn Alexander Neumann daheim aus dem Fenster schaut, dann blickt er auf das schicke Wohnmobil, das er sich mit Freunden zusammen zugelegt hat. „Damit sind wir zeitlich nicht gebunden. Da geht Urlaub viel freier und entspannter als gedacht“, sagt der 42-Jährige und meint damit die ersten Touren, die sie schon zusammen unternommen haben. Kopf frei bekommen, Energie tanken:

„2025 haben wir Richtung Gardasee getestet. Jetzt gern mal Richtung Skandinavien“, sagt er über mögliche Ziele. Aber auch in der Region mal übers Wochenende raus. Wenn Zeit ist. Ansonsten ist Neumann ebenfalls viel unterwegs – und zwar im Ehrenamt. Und hat im März 2024 die Aufgabe als Zweiter Stellvertretender Bürgermeister in Warburg übernommen – ein Amt, das er auch in der neuen Legislaturperiode seit November so fortführt. Dabei ist der Herlinghäuser politisch eher ein Spätberufener.

Als Vorgänger Peter Kramer das Amt des Ortsvorstehers abgeben wollte, habe der ihn angesprochen, der Kontakt über SPD-Fraktionschef Patrick Engelbracht war schon über die Warburger Feuerwehr da.

„Ich bin dann in die SPD eingetreten. Das Bauchgefühl passte. Das läuft gut“, sagt er lächelnd. Und das im traditionell “schwarzen” Südkreis.

Ihm geht’s – abseits von Parteigeplänkel – darum, „was gut für Warburg ist“. Und so wurde Neumann 2020 – ohne vorher ein politisches Amt gehabt zu haben – direkt in den Warburger Rat gewählt und Anfang 2024 als Stellvertretender Bürgermeister vorgeschlagen. Und als „Rookie“ in der Kommunalpolitik auch gleich gewählt.

Termine wahrnehmen, die Stadt repräsentieren – für ihn auch immer eine Möglichkeit, auf Ideen und Anliegen aufmerksam zu werden, über den Tellerrand zu schauen, „vernünftig zuzuhören“ und „respektvoll miteinander umzugehen“: Das ist sein Anspruch.

„Und viele tolle Menschen mit ihrem Engagement kennenzulernen: Davor ziehe ich den Hut. Das ist auch für mich bereichernd und prägend.“ Sich selbst bezeichnet Neumann als „eher ruhigen Typen“: „Ich lasse die anderen erstmal reden, bin ein guter Zuhörer und kann Themen objektiv betrachten.“ Das Amt öffne Türen, die er noch nicht kannte. „Definitiv.“ Das große Pfund der Region sind für ihn der Zusammenhalt, die Nachbarschaftshilfe, die nicht nur ein Wort sei, und eben das Ehrenamt: „Vereine, Schützen, Sportler, Feuerwehr – das ist ein riesiger Zusammenhalt. Auch über die Dorfgrenzen hinaus.“

Dabei ist der Stellvertretende Bürgermeister, der in Herlinghausen lebt und aufgewachsen ist sowie in Warburg zur Schule ging und dann Industriekaufmann lernte, durchaus jemand, der auch ohne die Politik schon sehr gut vernetzt war und ist.

Sportverein (Spieler bei Warburg 08, Germete und Herlinghausen, Vorsitz und Vorstand SSV Herlinghausen), Freiwillige Feuerwehr (Hauptbrandmeister und Einheitsleiter in Herlinghausen), Schützenverein (erweiterter Vorstand): Da ergäben sich Freundschaften fürs Leben: Da ist er sicher.

„Jeder kennt jeden auf dem Dorf.“

Das mache vieles einfacher. Ebenso die gute Mischung von jungen Leuten mit neuen Ideen und erfahrenen Mitgliedern, die gelte sowohl im Verein wie auch in der Politik.

Im Fußball habe er Mitte 2025 die Schuhe an den Nagel gehängt. Weil das politische Engagement eben Zeit brauche. „Ich will das nicht nur halbherzig machen“, sagt Alexander Neumann bestimmt.

Ein Mittelfeldrenner, der die Puste jetzt für die Politik einsetzt. Denn: „Für die Menschen da und ansprechbar sein, das ist das Schöne.“

Zwischendurch neben dem Job bei einem Kunststoff-Unternehmen in Helmarshausen dann mal das Wohnmobil bewegen, um klaren Kopf und neue Energie zu tanken, das ist auch nicht schlecht.

Und wenn er zu Hause bleibt?

Dann sitze er oft auf dem Fahrrad und erkunde die Region: „Wir sind dankbar für den neuen Radweg Richtung Dalheim und Warburg.“ Oder er macht Gartenarbeit. „Das beruhigt“, sagt Alexander Neumann.

„Wenn man mich früher fragte, was machst du im Urlaub? Dann habe ich auch mal geantwortet: Ich gehe auf den Bauernhof.“ Er lacht, als er ergänzt: „Von drei Wochen Urlaub mal zwei Wochen auf dem Trecker sitzen – das macht den Kopf frei.“

Bericht/Portrait: Simone Flörke, Westfalenblatt

Ausgabe vom 19.02.2026